Seite drucken Sie befinden sich hier:  HOME  /  Aktuelles  /  Nachrichten
12.09.2017

Umsetzung der neuen Psychotherapie-Richtlinie in der Kritik

Verband der Ersatzkassen e.V. (vdek) bemängelt die praktische Umsetzung der neuen Psychotherapie-Leistungen

Der Verband der Ersatzkassen e. V. (vdek) beklagt Verzögerungen bei der Umsetzung der neuen Psychotherapie-Richtlinie: So hätten zahlreiche Kassenärztliche Vereinigungen (KVen) die neuen verpflichtenden telefonischen Erreichbarkeitszeiten von Psychotherapeuten/innen noch immer nicht veröffentlicht. Der vdek fordert in seiner Pressemitteilung die KVen auf, der Veröffentlichung zeitnah nachzukommen. Zudem müssten Patienten/innen mit dringenden Problemen schneller durch die Terminservicestellen der KVen in die neu geschaffene Akutbehandlung vermittelt werden, so der vdek.

Zum 1. April 2017 ist die vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) geänderte Psychotherapie-Richtlinie in Kraft getreten. Mit den Änderungen der Richtlinie wurden neue Elemente in die Versorgung eingeführt, z. B. die psychotherapeutische Sprechstunde, die psychotherapeutische Akutbehandlung und Maßnahmen zur Vermeidung von Rückfällen (Rezidivprophylaxe). Weitere Änderungen betreffen die Förderung der Gruppentherapie, die Bewilligung beziehungsweise Anzeige von Leistungen gegenüber den Krankenkassen und die Qualifikation von Gutachtern.

Psychotherapeutische Praxen müssen seit dem 1. April 2017 mindestens 200 Minuten in der Woche telefonisch erreichbar sein (Psychotherapeuten/innen mit halbem Versorgungsauftrag: 100 Minuten in der Woche). Diese Zeit ist laut der neuen Richtlinie in Einheiten von mindestens 25 Minuten anzubieten. Die Zeiten müssen auch den Kassenärztlichen Vereinigungen mitgeteilt werden. Ebenso übernehmen die Terminservicestellen der Kassenärztlichen Vereinigungen die Aufgabe, einen Termin in der psychotherapeutischen Sprechstunde zu vermitteln. Ist danach eine Akutbehandlung erforderlich, können die Terminservicestellen auch genutzt werden, um einen solchen Behandlungsplatz zu finden, falls die Praxis die Behandlung nicht selbst kurzfristig anbieten kann. Diese Akutbehandlung ist für psychisch kranke Menschen gedacht, die rasch psychotherapeutische Hilfe benötigen und ohne diese möglicherweise schwerer erkranken würden, nicht mehr arbeiten oder zur Schule gehen könnten oder in ein Krankenhaus eingewiesen werden müssten. Die Kassenärztliche Vereinigung muss innerhalb einer Woche einen Termin vermitteln, der nicht später als vier Wochen nach der Anfrage durch den Patienten / die Patientin liegt.

Der vdek appelliert an die KVen, gemeinsam mit den Therapeuten/innen möglichst viele kurzfristige Termine anzubieten: „Gerade für die Akutbehandlung muss die Vermittlung schnell gehen. Eine ‚Akutbehandlung‘, auf die Versicherte vier Wochen warten müssen, verdient diese Bezeichnung nicht und stellt de facto kaum eine Verbesserung dar. Zwei Wochen sollten das absolute Maximum sein“, so Ulrike Elsner, Vorstandsvorsitzende des vdek.

Weitere Informationen: Psychotherapie-Richtlinie

Quellen: Pressemitteilung des vdek, Internetseite der Bundespsychotherapeutenkammer