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Plenarvortrag: Von Betroffenen für Betroffene?

„Von Betroffenen für Betroffene?! Thesen zur Rolle der Selbsthilfe im heutigen Gesundheitswesen“ lautete der Titel des Abschlussvortrages von Ursula Helms am dritten Tag. Die Geschäftsführerin der Nationalen Kontakt- und Informationsstelle zur Anregung und Unterstützung von Selbsthilfegruppen (NAKOS), umriss zunächst die „Erfolgsgeschichte“ der Selbsthilfe. Gemeinschaftliche Selbsthilfe sei eine „altbewährte gesellschaftliche Engagementform, immer noch aktuell und immer in Bewegung“, betonte sie.
 
Das Grundanliegen, gemeinsam etwas zu schaffen, was Einzelne nicht, oder nicht so effektiv umsetzen könnten, finde sich schon in der Genossenschaftsbewegung des 18. Jahrhunderts. Als konsequente Weiterentwicklung der sozialen Bewegungen der 1960er und 1970er Jahre habe die moderne gemeinschaftliche Selbsthilfe immer auch Probleme im Gesundheits- und Sozialwesen sowie gesellschaftliche Ausgrenzung im Blick. So sei der Zusammenschluss von Selbsthilfegruppen zu überregionalen Selbsthilfeorganisationen Ausdruck des Wunsches, über Mängel und Defizite aufzuklären und sich für ihre Beseitigung einzusetzen.
 
Als ganzheitliches und nachhaltiges gesellschaftliches Engagement sei die Selbsthilfe aktueller denn je, sagte Helms: „In einer Zeit mit starkem Bedürfnis nach Sicherheit und sozialer Gerechtigkeit aktiviert die Selbsthilfe-Idee Toleranz und soziales Miteinander und Solidarität gegen Ausgrenzung - selbstbestimmt, solidarisch, nachhaltig, mutig“. Die politische Anerkennung der Selbsthilfe, die sich unter anderem in der Beteiligung in Gremien des Gesundheitswesens ausdrücke, berge aber auch Gefahren. Das Mitspracherecht bei Versorgungsfragen mache die Selbsthilfe als Ansprechpartner und Zielgruppe im „Gesundheitsmarkt“ zunehmend „attraktiver“, bestätigte sie die Ausführungen von Professor Klemperer im Eröffnungsvortrag. Eine zentrale Fragestellung für die Zukunft der Selbsthilfe sei daher die Wahrung von Unabhängigkeit und Selbstbestimmtheit.
 
Um den Herausforderungen der Zukunft zu begegnen, forderte Helms einen „Schulterschluss“ der Selbsthilfe und die Erneuerung ihres Zusammengehörigkeitsgefühls. Aktive aus Selbsthilfegruppen und -vereinigungen sowie die Fachkräfte aus der Selbsthilfeunterstützung müssten sich gemeinsam für ein selbsthilfefreundliches Klima und eine bessere medizinische Versorgung einsetzen: „Denn die Selbsthilfe ist Wegbereiterin für mehr Patientenorientierung im Gesundheitswesen.“

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Jahrestagung 2017: Presseinformation
Von Mensch zu Mensch
Selbsthilfe im Gesundheitswesen – menschlich, solidarisch, empathisch

Jahrestagung 2017: Presseeinladung
Pressegespräch in der Tagungsstätte am 21. Juni 2017